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Das Gestalten gestalten, das Lernen lernen

Ausschnitt aus einem Artikel von Gerhard Grössing und Karl H. Müller
erschienen in Der Standard, 19.10.01, S 35

 

... Es begann mit einem ungewöhnlichen Schritt. Unter dem Titel "Right or wrong: My Desires" mussten die Teilnehmer in den ersten vier Wochen eine Arbeit erstellen, welche ihre wichtigsten Wünsche - gereiht nach ihrer Dringlichkeit - zum Ausdruck brachten, egal ob diese Wünsche vernünftig oder leicht erfüllbar wären. Von Foerster: "Die Studenten waren völlig überrascht, dass sich jemand darum kümmerte."
Diese selbst festgelegten Wünsche wurden zum Ausgangspunkt für vielfältig rückgekoppelte Kommunikationsprozesse innerhalb der Gruppe. Als eines der Ergebnisse dieses Kurses wurde ein "Whole University Catalog" geschaffen, der nach dem Muster des "Whole Earth Catalog" - einer Art Weltalmanach - aufgebaut war. Und dieser scheinbar einfache Prozess der Festlegung von Wünschen musste zwangsläufig alle universitären Tabuthemen streifen: von Marihuana über politische Philosophie bis hin zu sexuellen Neigungen oder zum Problem, wie man den Lebensunterhalt kostensparend bestreitet.
Der Skandal war enorm. "In der Dokumentation, die wir in größter Eile zunächst für die Universität vorbereiten mussten, kam uns aber zu Hilfe, dass im März ein Bericht des Kongresskomitees für Bildung und Arbeit mit dem Titel 'Verbesserung des Lernens' erstellt worden war. Und wir brauchten die dort genannten Ziele nur seitenweise abschreiben und hatten die besten Begründungen zur Hand." ...

 

Kreativität nutzbar machen heißt zu allererst, sich unter vorgegebenen Prämissen für definierte Zeit-Räume von möglichst vielem Internalisierten verabschieden