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Rangdynamik

Erläuterungen zu nebenstehend abgebildeter soziodynamischer Grundformel

Jedwede Gruppe bildet sich gegenüber einem Gegner (G). Er ist Anlaß und Ziel der Gruppenbildung und besitzt so viel autoritäres Gewicht, daß er der gemeinsamen Gruppenintention entgegenzustehen vermag, sie dadurch anregt und existent erhält. Ihm gegenüber steht Alpha, der Repräsentant der Gruppeninitiative, mit dessen Unbewußtem sich das Gros der Gruppe, die Gamma-Individuen, identifizieren, so daß die Gruppe ohne bewußte Lenkung nach seinem Willen reagiert. Bei Abwesenheit des Gegners wendet sich Alpha gegen die Gruppe, aber niemand verübelt es ihm, vielmehr fühlt sich die Gruppe von seinem machtvollen Auftreten gestärkt, denn Alpha trägt das Imponiergehaben der Gruppe und jeder Gamma träumt, in gleicher Weise mit dem Gegner verfahren zu können. Er imponiert daher auch in analoger Weise gegen den Schwächsten der Gruppe, Omega. Omega sucht Schutz in der Identifikation mit dem Gegner der Gruppe, der allein ihr zu widerstehen vermöchte, macht sich aber gerade dadurch zum Repräsentanten des Gegners und gibt der Gruppe durch seine Niederlage die Genugtuung, die sie braucht und sucht. Abseits von diesem Kreislauf der Affekte stehen nur einzelne Spezialisten, die Betas, die ihre gute Position durch Leistung zu rechtfertigen haben. Sie sind in der Gruppe vorzüglich durch ihr Verhältnis zu Alpha legitimiert. Je mehr eigene Beziehung zu den Gammas sie haben, desto mehr werden sie zu einer Konkurrenz für Alpha und bilden eine Art latenter Gegengruppe, die gestrichelt angedeutet wurde.

 

So wirkt´s also ...

Raoul Schindler, Über den wechselseitigen Einfluß von Gesprächsinhalt, Gruppenposition und Ichgestalt in der analytischen Gruppentherapie.