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Vertrauen ist die Basis |
Robert H. Buckman gilt heute als einer der Pioniere des Wissensmanagements. Als er über die Probleme von Knowledge-Management nachzudenken begann, gab es weder den Begriff noch die dazu notwendige Technik. |
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Das Chemieunternehmen von Robert Buckman hat 1300 Mitarbeiter, 73 Prozent davon haben einen College- oder Universitätsabschluß. In den auf 180 Länder verteilten Köpfen schlummert viel Wissen, doch je größer das Unternehmen wurde, desto schwieriger war es, damit richtig umzugehen. "Wir konnten nicht genug Akademiker anstellen, um das Wissen in Bewegung zu bringen", erinnert sich Buckman heute. "Ein weiteres Problem war die geographische Verteilung unserer Stützpunkte über alle Zeitzonen." |
Bereits in den achtziger begann der Chemieunternehmer darüber nachzudenken, wie er mit Hilfe der Informationstechnologie Abhilfe schaffen könnte. Wer weiß, wie leistungsfähig und teuer Computer damals waren, kann sich diese Herausforderung vorstellen: "Pro Mitarbeiter und Jahr haben wir 7500 Dollar investiert, schon 1987 war jeder Angestellte über E-Mail zu erreichen." Allein diese Investitionen zeugen von Mut, doch Buckman ging noch weiter: "Als wir anfangs nur das Management vernetzten, wurde das System kaum genutzt. Es stellte sich heraus, dass diese Mitarbeiter schon vorher bestens informiert waren - ganz im Gegensatz zu den einfachen Angestellten. Also schlossen wir jeden einzelnen Mitarbeiter an das netz an und ermöglichten dadurch jedem den Zugriff auf unser gesamtes Wissen." |
E-Mail für alle |
Deshalb sind die Unternehmen aufgerufen, für ein entsprechendes Klima zu sorgen |
Soviel Offenheit erstaunt doch ein wenig - die Frage nach möglichem Missbrauch drängt sich auf. Doch der Amerikaner zerstreut die Besorgnis um Firmengeheimnisse: "90 Prozent des Wissenskapitals eines Unternehmens sind in den Köpfen der Mitarbeiter, nur zehn Prozent werden niedergeschrieben, und trotzdem beschäftigen sich viele Manager hauptsächlich mit ihren Unterlagen. Wenn man die anderen 90 Prozent nutzen will, muß man den Mitarbeitern eben vertrauen." Dieses gegenseitige Vertrauen ist für Buckman die wichtigste Basis für erfolgreiches Wissensmanagement. "Mit wem würden Sie wichtige Informationen teilen?" stellt er in den Raum. "Die meisten würden wohl antworten, mit meinem Partner oder mit meinen Freunden, aber kaum einer würde sagen, mit meinem Arbeitgeber. Nur wenn man jemandem vertraut, ist man bereit, Informationen weiterzugeben. Deshalb sind die Unternehmen aufgerufen, für ein entsprechendes Klima zu sorgen." |
Und da gehört es für ihn dazu, auch den Mitarbeitern mit Vertrauen entgegenzukommen, etwa indem man sie in wichtige Informationen einbindet.Die Technologie spielt dabei für Buckman eine untergeordnete Rolle: "Die größte Schwierigkeit ist die Änderung der Unternehmenskultur. Vor allem ältere Mitarbeiter und das mittlere Management tun sich mit den neuen Ansätzen und dem scheinbaren Machtverlust schwer." |
Die größte Schwierigkeit ist die Änderung der Unternehmenskultur |
Ein wichtiger Schritt war für Buckman auch der Umstieg auf virtuelle Fortbildungsmaßnahmen. "Die Leute auf Seminare zu schicken kostet eine Unmenge von Geld und ist uneffizient", so der KM-Pionier. "Wenn man hingegen dieses Geld in die Qualität der Unterlagen investiert, spart man unter dem Strich noch immer." So bietet Buckman seinen Mitarbeitern mittlerweile die Möglichkeit, ganze Universitätsstudien online zu absolvieren, die in Amerika üblichen Studiengebühren werden vom Unternehmen übernommen. Und er verlangt keine Garantie, danach im Untenehmen zu verbleiben, sondern setzt lieber auf das positive Betriebsklima, um seine Mitarbeiter zu halten - die geringe Mitarbeiterfluktuation gibt ihm recht. |
Vertrauen über alles |
Und wie hat sich Buckmans Knowledge-Sharing-Philosophie konkret ausgewirkt? Stolz verweist er auf den Anteil von Innovationen (Produkte, die unter fünf Jahre als sind) an den Gesamtumsätzen seines Unternehmens: Nach der Einführung von E-Mail stieg er um fünf Prozent, durch Knowledge-Sharing sogar um zehn Prozent. "Das sind messbare Erfolge, wir haben unsere Innovationsgeschwindigkeit verdoppelt." |
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